Kommunikation – Angelegenheit für Realisten

Praxeologie

Konzeptionstechnik zielt auf die Gestaltung von Kommunikation, einer
wesentlichen Erscheinungsform sozialen Handelns. Als Konzeptionstechniker
suchen wir Maßnahmen, die strategisch geplant Einfluss auf dieses menschliche
Handeln nehmen können.

Menschliches Handeln ist wichtiges Thema philosophischer Reflektionen,
die wir in den letzten Kapiteln in Grundzügen kennen gelernt haben. Denn,
wenn es vom Handelnden bewusst unternommen wird, hat Handeln sowohl
ontologische wie erkenntnistheoretische Voraussetzungen.

Ein Akteur setzt voraus, dass er in einer realen, materiellen Welt agiert, in
der durchweg Determinismen herrschen. Wenn er stattdessen davon ausgehen
müsste, dass es keine Zwangsläufigkeiten und Ursache–Folgen–Verknüpfungen
gäbe und er durch sein Handeln nichts bewirken könnte, weil
sein Handeln keine Konsequenzen hätte, gäbe es für ihn offenbar keinen
Grund, überhaupt aktiv zu werden. Auch brauchte er keine Pläne machen
oder Vorsorge treffen, würde er nicht davon ausgehen, dass Handeln häufig
unerwartete Nebeneffekte hat und dass »Unfälle« mehr oder weniger an der
Tagesordnung sind.

Als Handelnde sind wir so betrachtet deutlich ontologische Realisten.
Entsprechend sind wir auch Realisten, wenn es an die Erkenntnistheorie unseres
Verhaltens geht:

Wir geben uns in der Regel große Mühe, die Konsequenzen unseres Handelns
zu erkennen. Wir suchen aufgrund des Wissens, das wir dabei gewinnen,
künftige Handlungsergebnisse zu optimieren.

Akteure bewerten ihr Handeln laufend.

Dazu kommt, dass wir als Akteure unser Handeln laufend bewerten. Wir
überlegen uns die moralischen Aspekte unseres Tuns oder schätzen ab,
welche rechtlichen Konsequenzen unser Tun haben könnte.
In diesem Zusammenhang soll darauf hingewiesen sein, dass selbst Nicht–
Handeln Konsequenzen hat, so etwa die Weigerung, in einer Situation trotz
moralischer Verpflichtung einem Mitmenschen in einer Notsituation hilfreich
beizustehen.

Zweckgerichtetes Handeln oder Nicht–Handeln hat also deutlich ontologische,
erkenntnistheoretische und moralische Voraussetzungen. Diese VorAkteure
aussetzungen wollen wir im gegenwärtigen Kapitel so weit in Augenschein
nehmen, dass wir eine allgemeine Handlungstheorie skizzieren können.
Diese Handlungstheorie oder Praxeologie ist die »Lehre« der allgemeinen
Merkmale individuellen und kollektiven menschlichen Handelns. Sie kann als
allgemeinste und grundlegendste aller Sozialtheorien betrachtet werden. Sie
bildet somit die Basis von Soziotechnologien wie beispielsweise unserer zukünftigen
Konzeptionslehre.

»A fruitful analysis of human action
requires us to avoid the atomization
implicit in the theoretical extremities
of under– and over–socialized
conceptions.«
Mark S. Granovetter

Aus:
Heinz W. Droste: Kommunikation – Planung und Gestaltung öffentlicher Meinung;
Band 1: Grundlagen – Kapitel 9 –
Praxeologie der Konzeptionstechnik:
Das Management von Netzwerken

Seite 244-5

www.pedion-verlag.de

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