Wissenschaften und ihr Umgang mit Kommunikation II

Komplexität des Phänomens »Kommunikation«

Menschliche Kommunikation wird von einer ganzen »Batterie« empirischer
Wissenschaften parallel untersucht. So werden in der Neurophysiologie die
biologischen Grundlagen unserer Kommunikationsfähigkeit untersucht. Die
Psychologie erforscht das Kommunikationsverhalten individueller Akteure,
während die Soziologie menschliche Kommunikation in Beziehungs–Konstellationen
betrachtet – in Kleingruppen, in Institutionen, zwischen Gesellschaften
usw.

Offenbar tragen zahlreiche empirische Wissenschaften teilweise sehr heterogene
Beiträge zur Erforschung menschlicher Kommunikation bei.
Dazu kommt, dass darüber hinaus auch die Kulturwissenschaften – denken
wir etwa an die Sprachwissenschaften – ebenfalls unverzichtbare Beiträge zu
unserem Thema liefern.

Das Studienangebot zum Thema Kommunikation, das an unseren Hochschulen
vorgehalten wird, ist ein Spiegel dieser komplexen Forschungssituation:
»Kommunikationswissenschaft« ist eine wissenschaftliche Disziplin, die
ganze Forschungsfelder schwerpunktmäßig der Bereiche Sozialwissenschaften
und Kulturwissenschaften zu integrieren sucht. Dabei unterscheiden
sich die konkreten Forschungsinhalte von »Kommunikationswissenschaft« zwischen
den verschiedenen Hochschulen teilweise erheblich.

»Kommunikationswissenschaft« ist also nicht gleich »Kommunikationswissenschaft«:

Manche Universitäten befassen sich schwerpunktmäßig mit Massenkommunikation
und interpretieren ihr Thema als Publizistikwissenschaft; Vorläufer
dieses Wissenschaftsfelds war die so genannte Zeitungswissenschaft.

Massenkommunikations–Wissenschaftler integrieren in ihrem Kommunikationskonzept
die Ergebnisse von Sozialwissenschaften wie Soziologie, Rechtswissenschaft
und sogar Psychologie.

Es gibt auch kommunikationswissenschaftliche Hochschulinstitute, die
sich statt mit Massenkommunikation eher mit Individualkommunikation
beschäftigen und dazu nicht nur auf Psychologie, sondern auch auf Kulturwissenschaft
zurückgreifen, etwa auf die Linguistik im Feld der Sprachwissenschaft.
Um die Lage komplett unübersichtlich zu machen, gibt es beim Studienangebot
unter dem Label »Kommunikationswissenschaften« auch noch Angebote,
die unter dem Titel Medienwissenschaften angeboten werden und deren
Ansatz schwerpunktmäßig kulturwissenschaftlich ausgelegt ist.

Uneinheitlichkeit des Studien–Angebots

Das Feld der wissenschaftlichen Betrachtung von Kommunikation ist also
beinahe unüberschaubar. Welchen Weg kann da der Konzeptionstechniker
gehen, um sich zu orientieren und um wie gewünscht zu einer wissenschaftlichen
Basis seiner Arbeit zu gelangen?

Aus:
Heinz W. Droste: Kommunikation – Planung und Gestaltung öffentlicher Meinung;
Band 1: Grundlagen – Kapitel 3 –
Wissenschaftsressourcen für moderne Konzeptionstechnik:
Entwicklung von Kommunikations–Maßnahmen als Technologie
Seite 83-4

www.pedion-verlag.de

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