Wissenschaften und ihr Umgang mit Kommunikation III

Diese Frage lässt sich nach unseren Vorarbeiten relativ einfach beantworten,
indem wir uns ansehen, wie wissenschaftliches Wissen grundsätzlich genutzt
und für Aufgabenbewältigungen eingesetzt wird.

Es gibt fünf verschiedene grundlegende Strategien der Aufgabenbewältigung.
Diese Strategien bilden zusammen ein Spektrum, das sich vom aufgeklärten
Laienverständnis des Alltagsverhaltens bis hin zu den Lösungen
empirischer Wissenschaften erstreckt, wie die folgende Grafik zeigt
(Grafik ist im Buch zu sehen):

Die rationalste Form der Aufgabenbewältigung bieten die Basiswissenschaften
mit ihrer Grundlagenforschung. Empirische Grundlagenwissenschaftler
entwickeln Theorien, die mit Hilfe von Mathematik hypothetisch
angenommene Gesetzmäßigkeiten formalisieren. Diese Theorien werden mit
Rückgriff auf Experimente geprüft und kontinuierlich optimiert.

»Mission« empirischer Grundlagenforscher ist es, Wissenslücken grundsätzlich
nur exemplarisch zu schließen. Beispiel einer Grundlagenwissenschaft
ist die theoretische Physik, Chemie oder Biologie. Sie entwickeln grundsätzlich
keine praktischen Lösungen für den menschlichen Lebensalltag.

Grundlagenwissen wird erst durch angewandte Forschung spezifiziert
und auf Felder der Empirie angewandt, um nutzbare Wissensbestände aufzubauen.
Beispiele für angewandte Forschung sind Ingenieurswissenschaften,
Pharmakologie oder Human–Biologie.

Das empirisch–wissenschaftliche Wissen dieser angewandten Wissenschaften
wird im Bereich der Technologien für die praktische Anwendung etwa
in Produktionsprozessen in der Industrie nutzbar gemacht. Technologen greifen
auf diese Weise auf theoretisches Wissen und empirisch–wissenschaftliche
Methoden zurück, um darauf aufbauend ständig verfeinerte Verfahren
der Realitätsbearbeitung zu entwickeln. Technologen führen in ihren jeweiligen
Bereichen auch eigene Forschungen durch, wobei sie typischerweise auf
praktisch nutzbares Know–how abzielen.

Die Technologie stellt neben der Grundlagenforschung und der angewandten
Forschung den dritten Strategieansatz dar.

Die vierte Strategie – die Technik – basiert auf der Nutzung von technologischen
Errungenschaften, die der betreffende »Techniker« oder Handwerker in
der Regel nicht selber entwickelt hat. Technisch–handwerkliche Berufsgruppen
bemühen sich, diese Werkzeuge und Prozesse mit Hilfe standardisierter
und bewährter, professioneller Vorgehensweisen möglichst nutzbringend
einzusetzen. Techniker haben typischerweise keine Verbindung zur Grundlagenforschung
oder zur angewandten Forschung.

Wo keine Technologie und kein technisches Know–how zur Verfügung stehen,
beginnt mit dem pragmatisch–spontanen Alltagshandeln die fünfte Aufgabenbewältigungsstrategie,
das Problemlösen aufgrund von Erfahrung und des Einsatzes des »gesunden Menschenverstandes«.
Hier werden Faustregeln und Alltagsmythen genutzt, um zu Lösungen zu kommen.

Akteure bemühen sich »redlich« um möglichst überlegtes Vorgehen, indem sie sich nach Maßgabe
des Versuch–Irrtum–Lernens verhalten.

Technologie–Modell verspricht Lösung

Ergebnis dieser kleinen Analyse der Problemlösungsstrategien ist, dass
sich für die zukünftige Konzeptionslehre offenbar das Modell der Technologie
anbietet. Denn die ersten beiden Strategien sind den Wissenschaften selber
vorbehalten.

Genau die dritte Strategie – die Technologie – zeigt modellhaft, wie wissenschaftliches
Know–how für die Nutzung in der Praxis anwendbar gemacht
werden kann. Strategien vier und fünf – Technik und Alltagshandeln – funktionieren
ohne Rückgriff auf wissenschaftliche Ressourcen.

Um zu sehen, inwieweit Konzeptionstechnik tatsächlich als Technologie neu
entwickelt werden kann, schauen wir nun genauer auf das Verhältnis von Wissenschaften,
Technologien und Konzeptionstechnik.

Aus:
Heinz W. Droste: Kommunikation – Planung und Gestaltung öffentlicher Meinung;
Band 1: Grundlagen – Kapitel 3 –
Wissenschaftsressourcen für moderne Konzeptionstechnik:
Entwicklung von Kommunikations–Maßnahmen als Technologie
Seite 84-7

www.pedion-verlag.de

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