Wissenschaftsbezug jenseits einer »PR–Wissenschaft«

Wir wollen herausarbeiten, wie Konzeptionstechnik zukünftig einem strategischen
Kommunikationsmanagement dienen kann. In den vorhergehenden
Kapiteln haben wir festgestellt, dass Konzeptioner hierzu Kompetenzen
zu entwickeln haben, die über das heute praktizierte Alltagsdenken und die
Methodik des Versuch–Irrtum–Lernens wesentlich hinausgehen. Sie benötigen
Know–how für das Management strategischer Entscheidungen und
deren Umsetzung in Organisationen. Dazu haben sie Interventionen einzusetzen,
deren Wirkungen und Mechanismen sie möglichst weitgehend beherrschen
sollten.

Rückgriff auf Wissenschaft erforderlich

Fachautoren betonen in aktuellen Veröffentlichungen, dass Konzeptionstechnik
im Sinne strategischer Planung von Kommunikation einen Ansatz
voraussetzt, der gezielt auf die Ergebnisse und Methoden empirischer Wissenschaft
zurückgreift und für Konzeptionsaufgaben nutzbar macht. Zukünftige
Konzeptioner seien strategische Planer von Kommunikation in modernen
Unternehmen und Institutionen. Sie sollen eine wichtige Rolle spielen können,
wenn es gilt, sozioökonomische Systeme zu erhalten, zu reparieren, zu
verbessern, zu redesignen oder gegen alternative Systeme auszutauschen.
Strategisch planende Konzeptioner werden gezielt Wissenschaftsressourcen
nutzen.

Auf welche Weise können sie hierbei vorgehen?
Der klassische Konzeptionstechniker Dörrbecker weist in diesem Zusammenhang
Überlegungen zurück, Public Relations und Konzeptionstechnik
wären zu professionalisieren, indem sie »verwissenschaftlicht« werden. Er
zieht deshalb recht volkstümlich eine Parallele zu einem Schreinermeister,
der seine Dienste Kunden gegenüber besonders »professionell« erscheinen
lassen möchte: »Einem Schreiner mit Meisterbrief lässt sich Professionalität
seines beruflichen Könnens nicht absprechen, nur weil er keine Schreinerwissenschaft
studiert hat.«

Eine »Schreinerwissenschaft« gibt es so wenig, wie eine »PR–Wissenschaft
« existiert. Konzeptionstechnik kann zukünftig aber dennoch nicht auf
Wissenschaft verzichten, was aber nicht bedeutet, dass PR verwissenschaftRückgriff
auf Wissenschaft erforderlichlicht würden.
Der strategisch planende Konzeptioner sollte einen Zugang zu den Ergebnissen
empirischer Wissenschaften finden, ohne selbst Wissenschaftler
zu sein.

Aber wie kann das grundsätzlich gelingen?
Dieser Frage werden wir uns in diesem Kapitel schwerpunktmäßig zuwenden.
Zur Beantwortung untersuchen wir zunächst genauer, in welchem Verhältnis
bisherige Konzeptionslehre und empirische Wissenschaften stehen.

Aus:
Heinz W. Droste: Kommunikation – Planung und Gestaltung öffentlicher Meinung;
Band 1: Grundlagen – Kapitel 3 –
Wissenschaftsressourcen für moderne Konzeptionstechnik:
Entwicklung von Kommunikations–Maßnahmen als Technologie
Seite 74-5

www.pedion-verlag.de

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