Komponenten sind wesentlich für das Ganze.

Vom Atomismus lernen wir, dass der Kosmos aus Subsystemen zusammengesetzt ist, die wiederum aus kleineren Einheiten gebildet werden. Dinge kombinieren sich, um komplexe Dinge zu bilden. Um Dinge zu verstehen, müssen wir ihre Zusammensetzung und ihre Komponenten analysieren. Allerdings liefert diese Analyse der Bestandteile keine vollständige Erklärung. Denn das Verständnis der Komponenten reicht nicht hin, um das Ganze zu verstehen.
Das Leben einer Gruppe und die Kommunikation der Individuen lässt Beziehungen, Gebräuche und Regeln entstehen, die über die Eigenschaften der Einzeldinge hinausgehen. So haben Kommunikationssysteme Eigenschaften und bewirken Ergebnisse, die wir keinem der einzelnen beteiligten Akteure zuschreiben können.

Interaktionen transzendieren in diesem Sinne die Fähigkeiten einzelner Gesprächspartner. Entwickeln wir als Konzeptioner eine Maßnahme, die beispielsweise die Kommunikation mit Journalisten einbezieht, dann entwerfen wir kein Konzept zur Interaktion mit einem »atomisierten« Individuum. Wir berücksichtigen demgegenüber stets, welche Lesergruppe der betreffende Journalist bei seiner Arbeit im Auge hat, für welche Redaktion mit welcher
Interessenlage er arbeitet, für welchen Verlag mit welchem wirtschaftlichen Interesse an Anzeigenschaltungen usw. Wir entwerfen also eigentlich automatisch eine Interaktion mit ganzen Gruppen von Personen.

Aus:
Heinz W. Droste: Kommunikation – Planung und Gestaltung öffentlicher Meinung;
Band 1: Grundlagen – Kapitel 5, S. 130
Ontologie der Kommunikationstechnik 1:
Bestimmung von Struktur und Substanz menschlicher Kommunikation

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