Der Konzeptioner »kann nicht nicht« wissenschaftlich kommunizieren.

Konzeptionslehre ist keine Wissenschaft.

Worauf Konzeptioner und PR–Leute gerne Bezug nehmen, sind die Wissenschaften oder Statements, die den »Stallgeruch« von Wissenschaftlichkeit haben. Die Konzeptionslehre ist aber deutlich keine Wissenschaft, und auch Public Relations sind keine Wissenschaft. Aufgabe von Wissenschaft ist es, Wissenslücken zu schließen und dazu empirische Daten zu erheben, die der »Scientific Community« zur Prüfung und Diskussion zu übergeben sind. Konzeptioner dagegen erfüllen einen Auftrag für einen Auftraggeber. Sollten hierbei Erkenntnisse abfallen, so sind diese nur für den Auftraggeber bestimmt und dürfen vertragsgemäß keinesfalls Dritten – etwa der Gemeinschaft der besonders wissensdurstigen Konzeptioner – zur Verfügung gestellt werden.

Konzeptionslehre unterscheidet sich auch dadurch von empirischen Wissenschaften, dass sie heute über keine Methoden verfügt, die empirisch–wissenschaftlichen Standards gerecht wird.

Um die konzeptionelle Arbeit herum wird dennoch gerne Wissenschaftlichkeit »simuliert«. So veröffentlichen Agenturen manches Mal selbstgemachte kleine, explorative Umfragen zum Zwecke der Eigenwerbung. Diese Untersuchungen sollen – nicht ganz uneigennützig – beweisen, wie erfolgreich professionelle PR–Arbeit ist. Darüber hinaus zitieren Agenturen regelmäßig in ihren Werbeunterlagen mehr oder weniger korrekt Wissenschaftler und deren Werke.  So wie beispielsweise die PR–Agentur, die jahrelang in ihren so genannten »Kompetenz–Heften« Paul Watzlawick zitierte. Wie wenig sich der verantwortliche Texter dabei aber mit diesem Autoren und seinem Thema beschäftigte, zeigte die Tatsache, dass er offenbar über falsche Hintergrundinformationen verfügte. So wurde der österreichische Psychiater, der bekanntlich in den USA bei Milton H. Erickson Hypnotherapie lernte und die Kommunikation schizophrener Patienten untersuchte, folgendermaßen verewigt:

»Man kann nicht nicht kommunizieren… schrieb einst der berühmte polnische (!: Hand aufs Herz: Er war tatsächlich Österreicher.) Philosoph (!: Irgendwie sind wir alle Philosophen.) Paul Waszlawik  (!: Beinahe richtig geschrieben)

Konzeptioner verfolgen keinen wissenschaftlichen Approach, schätzen und bewundern aber offenbar das Renommee wissenschaftlichen Wissens.

Aus:
Heinz W. Droste: Kommunikation – Planung und Gestaltung öffentlicher Meinung;
Band 1: Grundlagen – Kapitel 2 (Der Konzeptions–Approach; Abschied vom Versuch–Irrtum–Lernen; S. 65-6)

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