„Meine Hausaufgaben hat der Hund gefressen!“ oder „Meine Doktorarbeit habe ich selbst geschrieben!“

Passend zum gestrigen Vorfall rund um die deutsche Bildungsministerin Schavan und ihren Entzug der Doktorwürde erschien vor kurzem ein interessantes Editorial im „The Miami Herald“: http://www.miamiherald.com/2013/01/25/3200961/the-culture-of-lying.html

Hier vertritt der Autor die Meinung, dass in der Domäne des Lügens selbst der höchste zu erwartende Nutzen das Eingehen der mit dem Lügen verbundenen Risiken nicht rechtfertigen kann.

Dabei verweist er auf Universitätsstudien:

Forscher an der Zhejiana Normal University in China und an der Northwestern University, Illinois, haben herausgefunden, dass „das Lügen Lügnern mit zunehmendem Training ständig leichter fällt“. Wenn diese Menschen sich Zug um Zug auf die Praxis der Täuschung einlassen, ihnen Unwahrheiten ständig leichter „über die Zunge gehen“, wird es auf der anderen Seite für sie ständig schwieriger, Wahrheit von Falschheit zu unterscheiden.

Wir können mutmaßen, dass dem Ganzen ein sich selbst verstärkender neuronaler Prozess im Hirn der betroffenen Personen zugrunde liegt. Allerdings wäre solch ein neuronaler Mechanismus für die von der Täuschung befallene Person kein Trost – im Gegenteil:

Wie am Beispiel der Bildungsministerin zu sehen ist, bekommt die Praxis der Täuschung eine Dynamik, die Betroffene derart gefangen nimmt, dass sie aus eigener Kraft nicht mehr auf den Boden der Tatsachen gelangen können. Trotz offensichtlicher Täuschungs-Belege erscheinen ihnen stattdessen die Aufdecker der Unehrlichkeit als die eigentlichen „Betrüger“ und „Verfahrensfälscher“. Diese werden beschuldigt, „unkorrekt“ und mit versteckten üblen Motiven gegen sie vorzugehen.

Solche Menschen brauchen Hilfe, um Gelegenheit zu bekommen, ihren Realitätssinn neu zu stärken. Verfolgen wir die Entwicklungen und hoffen darauf, dass Frau Schavan bald geholfen wird!

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