Die Tragik der Unfähigkeit: Blind gegenüber der eigenen Beschränktheit

Stellen Sie sich auch manchmal diese Fragen?

Wie kommt es, dass es uns oft nicht gelingt, in der Zusammenarbeit etwa mit Kollegen zu einem befriedigenden gemeinsamen Ergebnis zu kommen? Obwohl wir doch über bestens bewährtes – sogar empirisch-wissenschaftlich geprüftes – Wissen verfügen? Warum gelingt es nicht, dieses solide Wissen in erfolgreiches Handeln umzumünzen? Was geht da schief?

Viele unterschiedliche Gründe ließen sich dafür auflisten. Eine besonders prägnante und ständig wieder auftauchende Ursache stellt die Unqualifiziertheit von Personen dar, die ihre Fähigkeiten systematisch überschätzen.

Diese Inkompetenz hat das Potenzial, den Wert von Wissen und Kompetenz systematisch zu vernichten – das ist das Ergebnis einer inzwischen „klassischen“ Studie der beiden Psychologen David Dunnings und Justin Kruger aus dem Jahr 1999. Ihnen ist gelungen, die Operationsweise individueller menschlicher Inkompetenz und deren Auswirkung auf Gruppen zu beleuchten.

Praktizierter Unqualifiziertheit kann gegengesteuert werden und Wissens-konformes Handeln hat eine Chance, das sind die Botschaften dieses Beitrags.

Zunächst werden wir uns die Untersuchungsergebnisse an der Cornell University in Ithaca, New York, ansehen und unsere Schlüsse daraus ziehen:

(Der Beitrag lässt sich hier als PDF-Datei herunterladen – bitte klicken!)

Die Dunning-Kruger-Hypothese

Vorab eine Zusammenfassung des Grundkonzepts hinter der Studie von Dunning und Kruger:

Menschen neigen bei vielen gesellschaftlichen und intellektuellen Fragen dazu, ihre Fähigkeiten zu hoch einzuschätzen. Vermutlich tritt dieses Phänomen auf, weil diese unqualifizierten Menschen unter einer zweifachen Bürde leiden: Nicht nur, dass sie aufgrund ihrer fehlenden Qualifiziertheit zu falschen Schlussfolgerungen und unvorteilhaften Entscheidungen neigen. Darüber hinaus beraubt sie ihre Beschränktheit gleichzeitig der metakognitiven Fähigkeiten, die sie brauchten, um sich ihrer Ignoranz bewusst zu werden. Paradoxerweise könnte ihnen nur eine Verbesserung ihrer Kompetenz zu der metakognitiven Einsicht verhelfen, die notwendig ist, ihnen bewusst zu machen, wie inkompetent sie in Wirklichkeit sind.

 

Mit Zitronen gehandelt: Die gescheiterten Banküberfälle des Mr. Wheeler

Bevor Dunning und Kruger mit der Darstellung ihrer Studie beginnen, erzählen sie von einem besonders eindrucksvollen Beispiel menschlicher Inkompetenz:

Im Jahr 1995 suchte ein Mann namens McArthur Wheeler in Pittsburg kurz nacheinander zwei Banken auf, um diese am helllichten Tage auszurauben. Dass die Schalterhallen kameraüberwacht waren, kümmerte Mr. Wheeler nicht. Er machte keinen Versuch, sein Gesicht für die Kameraaugen unkenntlich zu machen. Kein Wunder, dass er eine Stunde, nachdem abends die Aufnahmen der Überwachungskameras der betroffenen Banken im Fernsehen gezeigt worden waren, verhaftet werden konnte.

Als die Polizei ihm später die Überwachungsbänder vorspielte, schaute der „Superprofi“ ungläubig darauf und murmelte: „Aber ich hatte doch den Saft drauf getan!“. Mr. Wheeler hatte allen Ernstes angenommen, ein mit Zitronensaft eingeriebenes Gesicht wäre für Videokameras unsichtbar.

Anhand dieser für Mr. Wheeler extrem schlecht gelaufenen Angelegenheit weisen Kruger und Dunning auf drei wichtige Sachverhalte – die ersten beiden halten sie dabei für weitestgehend unstrittig:

  • In vielen Bereichen des Lebens basieren Erfolg und Befriedigung auf dem Wissen, der Klugheit oder der Versiertheit, relevante Regeln und Strategien ermitteln und nutzen zu können. Das trifft nicht nur auf besonders nervenaufreibende Situationen zu, in denen Personen riskante Straftaten planen, sondern in vielen anderen Kontexten, wie beispielsweise bei der Mitarbeiterführung im Beruf, dem Aufziehen von Kindern in der Familie, dem Konstruieren tragfähiger logischer Argumentationen oder dem Entwickeln einer soliden psychologischen Studie nach methodisch strengen Kriterien in einem Universitätsinstitut.
  • Zweitens unterscheiden sich individuelle Personen häufig deutlich darin, inwieweit sie in Handlungsfeldern tatsächlich über geltendes Wissen und über Strategien und Anwendungsgeschick verfügen. Dazu kommt, dass einige der Erkenntnisse und Theorien, die Menschen im Rahmen ihres Handelns einsetzen, von unterschiedlichster Qualität und Erfolgsaussicht sind. Manche, wie die legendäre „Zitronensaft-Hypothese“ von McArthur Wheeler, sind bestenfalls unvollkommen, verquer, oder im schlimmsten Fall vollständig dysfunktional.
  • Der dritte Punkt der beiden Psychologen erscheint uns zunächst noch kontrovers. Sie argumentieren, dass Leute, die inkompetent sind, mit Blick auf ihre vermeintlichen Erfolgs-Strategien zweierlei Bürden tragen: Sie kommen erstens nicht nur zu Fehlschlüssen und zu unvorteilhaften Handlungsentscheidungen. Ihre Inkompetenz beraubt sie zweitens darüber hinaus der Fähigkeit, ihre fehlende Qualifikation zu erkennen. Stattdessen sind sie – wie Mr. Wheeler – unrealistischerweise mit dem falschen Eindruck geschlagen, eigentlich genau das Richtige zu tun.

 

„Unwissenheit gibt häufig größere Sicherheit als Wissen.“

Im Kern behaupten die Forscher also, dass in verschiedensten Handlungsbereichen ein- und dieselbe Fähigkeit notwendig ist, um zum einen kompetent zu agieren und zum anderen um Kompetenz – sowohl die eigene als auch die von anderen – überhaupt erst zu erkennen und zu bewerten. Deshalb kann in der Sprache der kognitiven Psychologie gesagt werden, dass „inkompetenten Individuen die Kompetenz der „Metakognition“ („metamemory -“; „metacomprehension -“ bzw. „self-monitoring skills“) nicht zur Verfügung steht“.

Wie das möglich ist?

Einen gewissen Hinweis hat vor über 150 Jahren bereits Charles Darwin gegeben, als er ungefähr so formulierte: „… Unwissenheit gibt häufig größere Sicherheit als Wissen.“.

Doch schauen wir uns an, was Dunning und Kruger im Detail vermuteten und untersuchten. – Im Rahmen ihrer Studie haben die Forscher folgende Voraussagen formuliert und später bestätigen können:

  • Voraussage 1: Selbstüberschätzung
    Inkompetente Individuen überschätzen im Vergleich zu kompetenteren Personen dramatisch ihre Fähigkeiten und ihre Leistungen. – Es erwies sich sogar, dass diejenigen, die besonders schlechte Handlungsergebnisse erreichten, auch besonders wenig Ansätze für Selbsteinsicht zeigten
  • Voraussage 2: Fehlende „höhere“ Intelligenz
    Inkompetente leiden unter fehlenden metakognitiven Fähigkeiten. D.h., sie sind deutlich weniger als kompetente Zeitgenossen in der Lage, Belege für Kompetenz und Inkompetenz zu erkennen – unabhängig davon, ob es sich dabei um eigene oder um Leistungen anderer Personen handelt. – In diesem Zusammenhang erwies sich als symptomatisch, was Richard Nisbett einmal mit Blick auf Amos Tversky, den „Giganten“ der kognitiven Psychologie, sagte: „Je schneller jemand erfasst, wie viel cleverer Amos ist als er selber, desto schlauer muss er sein.“
  • Voraussage 3: Fehlende soziale Intelligenz
    Inkompetente sind weniger als kompetente Zeitgenossen in der Lage, aufgrund sozialer Vergleiche auf das tatsächliche eigene Leistungsniveau und das Niveau der eigenen Performance zu schließen. – Wegen ihres Versagens, Kompetenz bei anderen zu erkennen, können sie Informationen über die Handlungsergebnisse, die Vergleichspersonen erreichen, nicht nutzen, um einen besseren, zutreffenderen Eindruck von ihren eigenen Fähigkeiten zu bekommen.
  • Voraussage 4: Erkennen von Mängeln erfordert höhere Kompetenz.
    Inkompetente können durchaus Einsicht in ihre Begrenztheiten bekommen. Doch paradoxerweise gelingt das dadurch, dass sie kompetenter gemacht werden, also indem ihnen per Kompetenz-Steigerung zunächst die metakognitiven Fähigkeiten vermittelt werden, die sichtbar machen, welch schlechte Handlungsergebnisse sie erzielen. – Erst nach einer erfolgreichen Kompetenzsteigerung sind Inkompetente in der Lage, zu verstehen, was Thomas Jefferson gemeint hatte, als er sagte: „… der weiß am besten Bescheid, der weiß, wie wenig er weiß …“

 

Ist Beschränktheit ein Segen?

Dunning und Kruger ist ein interessantes Begleit-Phänomen der typischen Unbewusstheit von Inkompetenz aufgefallen:

Unqualifizierte leiden nicht unter ihrer Unfähigkeit. Im Gegenteil, sie sind sich ihrer vermeintlichen Qualität ohne Anflug von Zweifeln so sicher, dass sie sich ausgesprochen wohl fühlen. Die Forscher vergleichen die Situation der Inkompetenz mit dem Krankheitsbild der Anosognosie:

Nach einem Schlaganfall in ihrer rechten Gehirnhälfte leiden Anosognosie-Patienten an einer Lähmung ihres linken Armes, die ihnen nicht bewusst ist. Wird ihnen ein Glas hingestellt und werden sie aufgefordert, dieses Glas mit der linken Hand anzuheben, können sie diese Anweisung lähmungsbedingt nicht ausführen. Warum dies so ist, werden die betroffenen Patienten nicht zugeben – sie behaupten stattdessen, sie hebten den Arm nicht, weil sie dazu zu müde sind oder weil sie die Anweisung „Arm heben“ nicht gehört hätten oder weil sie ganz einfach keine Lust hätten, den Arm zu heben usw. – Anosognosie verursacht nicht nur die Lähmung, sondern gleichzeitig die Unfähigkeit, die eigene Gelähmtheit zu erkennen.

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Dunning und Kruger haben im Rahmen ihrer Studie eine psychologische Analogie zur Anosognosie gefunden: nämlich die Inkompetenz, die nicht nur zu schlechten Handlungsergebnissen, sondern auch zur Unfähigkeit führt, sich diese einzugestehen – Betroffene entwickeln die „Fähigkeit“, eine Schwäche zum Schutz des Selbstbildes komplett auszublenden.

 

Inkompetenz und das Versagen des sozialen Feedbacks

Es ist einigermaßen verwirrend zu beobachten, wie Inkompetente angesichts von Misserfolgen in ihrem sozialen Lebensumfeld daran scheitern, ihre Fähigkeiten selbstkritisch und realistisch einzuschätzen. Diese mangelnde Selbsterkenntnis führt angesichts der dadurch verursachten Störungen des Zusammenlebens und -arbeitens zu erheblichen Frustrationen von Mitmenschen.

Obwohl Inkompetente unfähig sind, ihre schwachen Leistungen zu erkennen, würden wir erwarten, dass sie beispielsweise im Rahmen ihrer akademischen oder beruflichen Karriere unvermeidbar irgendwann derartig negatives Feedback empfangen, dass ihnen letztlich doch die Augen aufgehen sollten. Dafür, dass dies nicht zwangsläufig geschieht, geben Duning und Kruger vier Gründe an:

1. Der erste Grund liegt in den in unserem sozialen Leben verbreiteten „guten“ Manieren: Erwachsene Individuen bekommen im Alltag selten negatives Feedback in Bezug auf ihre Fähigkeiten. Von Kindesbeinen an lernen wir, höflich zu sein im Sinne von: „Wenn Du nichts Nettes zu sagen hast, halte gefälligst den Mund!“.

2. Der zweite Grund liegt darin, dass es nicht zwangsläufig der Verantwortliche ist, der seine negative Handlungs-Ergebnisse zu spüren bekommt. Es kommt häufig vor, dass die Umstände verhindern, dass jemand mit den Folgen seiner eigenen schlechten Performance konfrontiert wird – weil diese zeitverzögert auftreten oder andere Personen treffen, zu denen er keine Verbindung hat – und so keine Informationen mit dem Potenzial der Selbstverbesserung rückkoppeln. – Insoweit hatte unser Bankräuber „Glück“, als er schon ein paar Stunden nach seinem „Coup“ mit dem unleugbaren Beweis für seinen Irrtum konfrontiert wurde.

3. Der dritte Grund liegt in der „Uneindeutigkeit“ von Inkompetenz. Wenn Personen negatives Feedback erhalten, ist die Deutung der angesprochenen Fehlerhaftigkeit schwierig. Erfolg ist eindeutiger zuzuordnen: Zum Erreichen eines guten Ergebnisses, muss jemand über Geschick verfügen, er muss sich um Erfolg bemühen, braucht meist eine gewisse Portion Glück und vor allem braucht er andere Personen, die ihn unterstützen. Zum Scheitern reicht bereits das Nichterfülltsein eines dieser Erfolgs-Komponenten. Statt Scheitern mit der eigenen Inkompetenz in Verbindung bringen zu müssen, bietet es sich Inkompetenten an, fehlendes Glück und gerne auch die angeblich fehlende Unterstützung seiner Mitmenschen für den misslichen Ausgang ihres Handelns verantwortlich machen.

4. Der vierte Grund liegt in der Unempfänglichkeit für soziale Vergleiche: Es hat sich in der Studie gezeigt, dass Inkompetente nicht in der Lage sind, die grundlegende Form des sozialen Feedbacks zu verarbeiten: den sozialen Vergleich. Dieser erfordert die Fähigkeit, die Ausprägung der eigenen Kompetenz zu erfassen, indem das Verhalten der übrigen Gruppenmitglieder beobachtet und analysiert wird. Das bewertende Beobachten von kompetenten Handlungen anderer Personen ist den Unqualifizierten verbaut, weil sie, wie die Studie zeigte, blind für Qualifikationen sind.

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Wann tritt dieses Dunning-Kruger-Syndrom auf?

Dunning und Kruger haben die sich selbst ignorierende Inkompetenz als komplexes Phänomen beschrieben. Wir nennen es ab jetzt „Dunning-Kruger-Syndrom“ und überlegen, welche Wege es gibt, die Frustration zu behandeln, die Kompetenteren im Zusammenleben mit unqualifizierteren Mitmenschen droht.

Zunächst können wir die Studie von Dunning und Kruger danach befragen, wann dieses weitverbreitete Syndrom typischerweise auftritt. Denn sind wir in der Lage, „die Gefahr“ zu erkennen, haben wir diese bereits halb gebannt.

Analysieren wir zur Beantwortung ein paar Beispiele, die uns spontan in den Kopf kommen:

  • Journalisten, die über Sachverhalte schreiben, über die sie lediglich oberflächliches Wissen haben und zu denen sie weiterführende Informationen aus PR-Abteilungen und aus anderen „unabhängigen“ Quellen ignorieren
  • Manager, die in der Öffentlichkeit auftreten, ohne über Erfahrung darüber zu verfügen, mit welchen Äußerungen sie Gefahr laufen könnten, negative Medien-Reaktionen zu bewirken
  • Politiker, die Entscheidungen über die Umgestaltung sozialer und ökonomischer Systeme treffen, deren Folgen sie nicht abschätzen können, weil sie Wirkweisen der relevanten gesellschaftlichen Mechanismen nicht kennen
  • Lehrer, die ihren Schülern keine realistischen Lebens- und Berufs-Perspektiven geben können, weil sie kaum Lebens- und Arbeits-Kompetenzen außerhalb von Bildungsinstitutionen sammeln konnten

Den Leserinnen und Lesern werden wahrscheinlich zahlreiche weitere Beispiele einfallen, die sie aus ihrem eigenen Lebensumfeld kennen.

Was ist die allen Beispielen gemeinsame Konstellation?

Offenbar braucht jemand, um im Feld der Inkompetenz zu „glänzen“, ein gewisses Maß an rudimentärem, vielleicht angelesenem Wissen sowie eine gewisse Laien-Theorie darüber, wie die Dinge, die er zu beurteilen hat, in der Realität funktionieren könnten. Kommen noch ein paar rudimentäre Erfahrungen – vielleicht aufgrund von Hören-Sagen – dazu, hat der Inkompetente ausreichend „Futter“, um sich selbst suggerieren zu können, er könnte im betreffenden Feld sachgerecht entscheiden und handeln.

Dunning und Kruger haben in diesem Zusammenhang beobachtet, dass sich die typische übertriebene Selbstsicherheit und falsche „Kalibrierung“ der Selbsteinschätzung steigert, wenn es um besonders schwierige und komplexe Aufgabenstellungen geht.

 

Das Dunning-Kruger-Syndrom eindämmen!

Wer in seinem Umfeld das Dunning-Kruger-Syndrom eindämmen möchte, kann sich zunächst vergegenwärtigen, dass dieses Syndrom der Inkompetenz ein Gegenstück hat, nämlich das Syndrom der Kompetenz: Denn Kompetente überschätzen genauso häufig die Qualifikation der Inkompetenten, wie es diese weniger Qualifizierten in Bezug auf ihre eigenen Fähigkeiten tun. Kompetentere glauben oft, weil ihnen etwas leicht fällt, müsste dies den Anderen auch so gehen. Sie erliegen dabei ebenfalls einer grundlegenden Täuschung.

Aus diesem Grund können Probleme auftreten, wenn Kompetente in Situationen ihren Mitmenschen Unrecht tun, indem sie diese durch überzogene Leistungs-Erwartungen überfordern oder mit unrealistischen Erwartungen konfrontieren. Dieses Problem kann dadurch behoben werden, dass Qualifizierte sich große Mühe geben, ihre Mitmenschen und Kollegen besser zu verstehen und ihre Leistungsfähigkeit realistisch und rücksichtsvoll zu erfassen.

Eine weitere hilfreiche Einsicht für Kompetente liegt darin, einzusehen, dass es sinnlos ist, Inkompetente von ihrer Kompetenz zu überzeugen oder sie sogar mit ihrer Qualifiziertheit zu beeindrucken. Das kann nicht funktionieren, weil ihre weniger kompetenten Mitmenschen höherwertige Kompetenz nicht wahrnehmen und bewerten können. Kompetente sollten also ihren Ehrgeiz zurückfahren und den Aufwand eindämmen, den sie investieren, um anderen ihre Qualifikation zu demonstrieren – nach dem Motto: „Besser heimlich schlau sein, als sich unheimlich und vergebens müde machen!“

Insbesondere Qualifizierte, die hoch kompetente Dienstleistungen anbieten, können vom Dunning-Kruger-Syndrom lernen, um zukünftig unnötige Frustrationen beispielsweise bei Akquisitions-Maßnahmen zu vermeiden:

Manchmal müssen sie Menschen erst schlau machen, damit sie für ihre Schlauheit empfänglich werden. Denn Klienten übersehen manches Mal, dass ihre Schwierigkeiten aufgrund mangelhafter Qualifikation entstehen.

Daraus folgt, dass Berater zunächst in zukünftige Kunden und deren Weiterbildung investieren müssen. Erst im Anschluss können sie ihren Beratungsbedarf selber erkennen und bewerten lernen. Ohne diese Weiterbildung werden sich solche Klienten nicht für die angebotene, hoch kompetente Dienstleistung interessieren. Sie können nicht einmal ahnen, dass es so eine Qualifikation gibt und was diese ihnen nützen könnte

Manchmal muss also gerade der kompetenteste Consultant zunächst einen Teil des Wissens verschenken, für das er erst später honoriert zu werden hoffen kann.

Quelle:

Justin Kruger, David Dunning: Unskilled and unaware of it. How difficulties in recognizing one’s own incompetence lead to inflated self-assessments. In: Journal of Personality and Social Psychology. 77, Nr. 6, 1999, S. 1121–1134

 

Lemon (engl.): Zitrone, „Dussel“, „schlechte Ware“

 

Praktizierter Unqualifiziertheit kann gegengesteuert werden und wissenskonformes Handeln hat eine Chance, das sind die Botschaften dieses Beitrags. Ebook – 11 Seiten

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Dunning-Kruger-Effekt: So lässt sich Inkompetenz bändigen!

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