Studie entschlüsselt Mechanismen anhand der Kommunikations-Prozesse im arabischen Frühling.

Social Media sind in aller Munde. Die einen sind begeistert von den neuen Kommunikationskanälen, andere fürchten um die Kommunikationskultur und um den Bestand unseres gewohnten Medienangebots.

Lösen wir uns von vorschnellen Werturteilen und beschäftigen wir uns mit folgender Fragestellung:

Welchen Einfluss haben Social Media tatsächlich auf Meinungsbildungsprozesse? Welche Risiken und welche Chancen bieten sie uns in Zukunft?

Zu diesen Fragen gab es bisher keine schlüssigen Antworten.

Einen guten Eindruck davon, wie Social Media wirken, welche Faktoren sie voraussetzen und welche Auswirkungen sie auf Massenkommunikation haben, zeigt eine Studie, die ein Team von Kommunikationswissenschaftlern an der University of Washington Ende letzten Jahres vorgelegt hat. Im Rahmen des PITTPI („Project on Information Technology and Political Islam“) haben sie detailreich die Rolle der Social Media während des arabischen Frühlings untersucht.

Social Media-Strategien: Was lernen wir aus dem arabischen Frühling?

Bis zum Herbst 2011 war das, was über die Rolle der Social Media im arabischen Frühling diskutiert wurde, verkürzt und spekulativ.

Die Wissenschaftler und Autoren der Washingtoner Studie waren bestrebt, hier Abhilfe zu schaffen. Dabei konzentrierten sie sich auf die Vorgänge in Tunesien und Ägypten. Für diese beiden Länder standen ihnen die umfassenden Daten und Fakten zur Verfügung, die notwendig sind, um grundlegend Licht auf die Wirkweisen der Social Media im arabischen Frühling zu werfen.

Den Forschern gelang eine „Kartierung“ – ein Mapping – mit Blick auf die wichtigsten politisch aktiven Websites in Tunesien und Ägypten. Sie konnten für die Zeit vor den Umwälzungen, während der Revolution und die Monate danach die Diskussionen in den betreffenden Blogosphären nachzeichnen. Sie analysierten Millionen von Tweets mit Blick auf verwendete Schlüsselbegriffe. Parallel konnten sie nachvollziehen, wie Tausende von Internetnutzer außerhalb von Tunesien und Ägypten – in der arabischen Nachbar-Welt, aber auch weit darüber hinaus – die Vorgänge in beiden Ländern mit Hilfe von Social Media verfolgten und kommentierten.

Im Rahmen des vorliegenden Beitrags werden wir uns die Ergebnisse der Studie ansehen, um folgende Fragen zu beantworten:

  • Welche Wirkungen hatten Social Media auf Meinungsbildungsprozesse?
  • Wie ist die Wirkung dieser Medien im Einzelnen einzuschätzen – welche Meinungsbildungsfunktionen haben jeweils Videoportale wie Youtube, Mikroblogs wie Twitter, Online-Communities wie Facebook und Weblogs?
  • Wie ergänzen sich die Wirkungen dieser Social Media zu einem Gesamtresultat?
  • Was können Gestalter von Kommunikations-Maßnahmen und Kommunikations-Berater aus den Antworten auf diese Fragen lernen?

Wir starten unmittelbar damit, diese Fragen zu beantworten, indem wir die Resultate der Studie „Opening Closed Regimes“ („Öffnung geschlossener Regime“) skizzieren.

Nach der Zusammfassung der Ergebnisse verfügen wir über ein Wirkungsmodell der Social Media, das als praktisches Instrument der Entwicklung wirkungsvoller Kommunikations-Maßnahmen dient.

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