Dass mein Klassenkamerad Holger im Jahr 1973 die neue LP (LP = Langspielplatte: So hieß das früher!) von Johnny Winter nicht mochte, war mein großes Glück.

Es handelte sich um „Still alive and well“, das wahrscheinlich erfolgreichste Album, das Johnny jemals eingespielt hat. Seine Mitmusiker waren unter anderem Größen wie Todd Rundgren, Rick Derringer und der Jazzflötist Jeremy Steig.

Holger verkaufte mir die Scheibe, die von da an meine Lieblingsplatte wurde – so oft habe ich sie aufgelegt, dass sie heute so etwas wie ein Teil von mir ist. Sie hat mich und meinen Musikgeschmack geprägt. Denn im selben Jahr habe ich mit dem Gitarrenspielen angefangen und bin bis heute dabei geblieben (hier mein virtueller Band-Weblog).

Johnny1

Einige Zeit hat es gebraucht, doch durch Johnny’s „Still alive and well“ war ich so begeistert von den Klängen umgestimmter Gitarren, vom Sound gleitender Metall-Slides, dass ich die Energie entwickelte, an der mich umgebenden Musikkultur des allseitigen Schinderrassabumtäterätechnoballaballaoioioi vorbei meinen eigenen Klang zu finden.

In gewisser Weise bin ich dadurch über mich hinausgewachsen. – Dafür gibt es einen sichtbaren Beleg. Als ich ca. sechzehn Jahre alt war, hatte ich die spontane Idee, mit Kreide ein Portrait von Johnny nachzuzeichen. Zuvor hatte ich so etwas nie hinbekommen – danach auch nicht mehr:

johnny

Johnny ist letzte Woche – am 16. Juli 2014 – in der Schweiz während einer Tournee gestorben.

Leider habe ich ihn nie live gesehen und bin ihm nie begegnet – dennoch ist er meiner wichtigsten Musiklehrer.

Wenn ist seine Platte von 1973 höre, schüttet mein Gehirn Glückshormone aus, sein „Too much seconal“ jagt mir Schauer über den Rücken … „Woke up this morning, I couldn’t hardly keep from cryin‘ „

Goodbye Johnny! 

 Triconehgh

 

Heinz W. Droste

 

 

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