Gedächtnis-Forscher haben lange Zeit darüber spekuliert, ob es mit Hilfe bestimmter Interventionen möglich ist, Menschen dazu zu bringen, Straftaten zu erinnern, die nie begannen wurden und dennoch vermeintliche Geständnisse bewirken, die zu rechtsgültigen Verurteilungen führen.

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Julia Shaw – University of Bedfordshire, Luton, England – und Stephen Porter – University of British Columbia, Vancouver, Kanada – unternahmen zu diesem Thema eine Studie, die zum ersten Mal einen Beleg dafür bietet, dass in einem kontrollierten experimentellen Setting Erinnerungen erzeugt werden können, die sich durch vollständig vorgestellte Handlungssequenzen auszeichnen. Mithilfe suggestiver Gedächtnis-Abrufungs-Techniken wurden Versuchsteilnehmern Erinnerungen an kriminelle und nicht-kriminelle emotionale Episoden induziert. Im Rahmen der Untersuchung wurden diese falschen Erinnerungen mit wahren Erinnerungen an emotionale Ereignisse verglichen.

Nach aufeinander aufbauenden drei Interviews wurde festgestellt, dass 70 Prozent ausgewählter Teilnehmer falsche Erinnerungen an das Verüben von Straftaten entwickelten (Diebstähle, Überfälle oder Überfälle unter Einsatz von Waffengewalt), die angeblich zu polizeilichen Ermittlungen gegen sie und zu einem offensichtlich falschen imaginierten Geständnis geführt hatten. Die dabei von den Betroffenen beschriebenen falschen Erinnerungen an Straftaten ähnelten den bei Versuchspersonen induzierten Erinnerungen an nicht-kriminelle imaginäre Ereignisse sowie an induzierte Erinnerungen an reale Ereignisse. Realität und bloße Vorstellungen waren wegen dabei auftretender „authentischer“ Beschreibungen sowie „erinnerter“ multisensorischer Impressionen der Betroffenen nicht voneinander zu unterscheiden.

Es erscheint also als beweisbar, dass Personen im Kontext eines hochsuggestiven Interviews tatsächlich eindrucksreiche falsche Erinnerungen an nicht begangene Straftaten entwickeln.

Daraus lässt sich ableiten, dass Geständnisse unter gewissen Befragungs-Umstände keine sicheren Beweismittel sind und dass selbst Lügendetektortests von „Tätern“ manipuliert sein können. Für die zweifelsfreie Feststellung von Schuld und Unschuld sind offenbar „objektivere“ Beweise erforderlich.

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Quelle: Shaw, Julia; Stephen Porter, „Constructing Rich False Memories of Committing Crime“; in: Psychologocal Science: 14. Januar 2015

Fotos: SXC

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