Trennungs-Problem

Trennungen und Scheidungen gehören zu den verbreiteten Ereignissen im Erwachsenen-Leben, die große Risiken für den psychischen Gesundheitszustand mit sich bringen. Obwohl das so ist, gibt es bisher kaum Studien dazu, mit welchen Interventionen diese Risiken bearbeitet werden können.

Ein Ausnahme macht die kürzlich von David Sbarra et .al. veröffentlichte Studie zum Interventions-Instrument „Expressives Schreiben“.

Expressive Schreib-Intervention

Die Forscher orientierten sich unter anderem an den Studien und Theorien von James W. Pennebaker. Dieser testete die Wirkung von Schreibtherapie-Anweisungen bei Studenten. Eine Gruppe sollte traumatische oder emotionale Erlebnisse in mehreren 15- bis 20-Minuten Sessions ausleben – emotionale Impulse und „tiefe“ Gedanken herunterschreiben. Die Kontrollgruppe wurde angewiesen über nicht emotional besetzte Alltagsthemen zu schreiben.

Ergebnis war, dass amerikanische Studenten in erstaunlichem Umfang traumatische Erlebnisse mit sich herumtrugen. Weiterhin hatte der Forscher den Eindruck, dass das Schreiben über diese Traumata zu einer signifikanten Verbesserung ihrer psychischen Gesundheit führte. Bei der Kontrollgruppe dagegen wurden keine signifikanten Veränderungen in Bezug auf die körperliche oder seelische Gesundheit beobachtet. Pennebakers Theorie liegt eine Art psychoanalytische Idee zugrunde: Erleidet jemand eine psychisches Trauma, das er verdrängt, verbraucht dieses Verdrängen Energie und arbeitet als verborgene Stress- und langfristige Krankheitsquelle gegen seine Gesundheit.

Wie lief die Studie ab?

In der Studie von Sbarra et. al. wurden männliche Probanden ausgewählt, die aktuell an den psychischen Auswirkungen einer Trennung von ihren Partnerinnen litten. – Der offensichtlichste Unterschied der neuen Studie im Vergleich zu den Pennebaker-Untersuchungen ist, dass die Probanden an einem präsenten psychischen Trauma litten, das in ihrem aktuellen Bewusstsein eine zentrale akute Leidensposition darstellte. Darüber hinaus wurde das gewählte Interventions-Instrument ausdrücklich an dieses akute Problem angesetzt.

sadness

Ganz skizzenhaft beschrieben ging der Test folgendermaßen:

Es wurden drei Gruppen traumatisierter Männer gebildet.

  1. Die erste Gruppe (EW) wurde gebrieft, ihre Emotionen gemäß dem Pennebaker-Paradigma herunterschreiben, dabei möglichst alle schmerzhaften Aspekte der Trennung anzusprechen.
  2. (NEW) Die zweite Gruppe wurde gebrieft, nicht nur in ihre Emotionen „hineinzugehen“, sondern den traumatischen Erlebnissen einen Sinn zu geben, dafür eine Trennungs-Geschichte zu entwerfen und dam Ende der Schreib-Sessions eine Vision davon zu entwickeln, wie die Betroffenen in Zukunft auf die Trennungs-Story (novel) zurückblicken.
  3. Die Kontroll-Gruppe, war im wahrsten Sinne kontrolliert, denn die Mitglieder wurden gebrieft, ihre Emotionen bewusst beim Schreiben zu kontrollieren und sich statt dessen detailliert und gefühlsfrei zu bilanzieren, wie sie ihre Tage verbringen.

Erstaunliche Ergebnisse

Die Forscher hatten erwartet, dass die erste Gruppe aufgrund der beschriebenen Intervention eine gute psychische Erholung erreicht, dass die zweite eine noch bessere Erholung erreicht und dass die Kontrollgruppe ihr Trauma am schlechtesten verarbeitet haben würde.

Die Erwartungen der Forscher wurden komplett enttäuscht – die Ergebnisse gingen in die genau entgegengesetzte Richtung.

Die Emotions-vermeidenden Schreiber waren emotional am meisten gesundet. Das expressive Schreiben scheint die Gesundung der traumatisierten Männer behindert zu haben – die sinngebende Intervention (NEW) noch stärker als die EW-Intervention gemäß Pennebaker-Paradigma.

Schlussfolgerungen

In Zukunft ist dieses Untersuchungsergebnis durch weitere Studien zu überprüfen. Sollte es sich erhärten, ist zu überlegen, welche neuen Interventions-Instrumente aus dem „kontrollierenden Schreiben“ abgeleitet werden können. Zudem sollten dann Traumapatienten in Zukunft nicht mehr mit Methoden des „Expressiven Schreibens“ behandelt werden.

Dass die Psychoanalyse keine brauchbare Psychotherapie-Form ist, hätte sich nebenbei auch noch erhärtet.

Quelle:

„Expressive Writing Can Impede Emotional Recovery Following Marital Separation“

  • David A. Sbarra – Department of Psychology, University of Arizona
  • Adriel Boals – Department of Psychology, University of North Texas
  • Ashley E. Mason – Department of Psychology, University of Arizona
  • Grace M. Larson – Department of Psychology, Northwestern University
  • Matthias R. Mehl – Department of Psychology, University of Arizona

Veröffentlicht in:

„Clinical Psychological Science“ einem Fach-Journal der Association for Psychological Science (APS, USA) am 18.03.2013

http://cpx.sagepub.com/content/1/2/120

 

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