Reaktion auf Martin Mahners Rezension in der „Naturwissenschaftlichen Rundschau“

Wer meint, etwas Gutes getan zu haben, irrt manches Mal und gerät dann unter den „Beschuss“ von Mitmenschen, denen offenbar das vermeintlich Gute „gegen den Strich“ geht.

So geschehen mit meinem letzten Buch „Turn of the Tide“ – einer Einführung in Mario Bunges Philosophie. Nachdem ich in den letzten Jahren einige Bücher und Beiträge über die Philosophie des Argentiniers geschrieben und ihre Anwendbarkeit etwa im Feld der Sozialwissenschaft nachvollzogen hatte, hielt ich es für wichtig, sein Werk einer größeren Leserschaft zu erschließen.

Das Konzept für mein kleines Buch im alibri-Verlag habe ich von Anfang an mit Mario Bunge abgestimmt, ein längeres Interview durchgeführt und ihm schließlich mein Manuskript Kapitel für Kapitel vorgelegt. Erst nachdem er mir bestätigte, dass mein Buch „werkgetreu“ ist, wagte ich, mein Manuskript an den Verlag weiterzugeben – schließlich hat „Turn of the Tide“ einen extrem kleinen Umfang, was einen großen Mut zu mancher Lücke erforderlich macht. Zudem habe ich es gewagt, Mario Bunges Art zu Philosophieren an einem „Schokoladen-Experiment“ aus der kognitiven Psychologie vorzuführen.

Dass ich mir gerade mit dieser einvernehmlichen Vorgehensweise einen Feind für Leben schaffen würde, hatte ich nicht geahnt: Martin Mahner, der vor Jahren als Ko-Autor bei zwei Büchern von Mario Bunge auftrat, konfrontierte mich nach Bucherscheinung mit schroffer Kritik, die mir aufnötigte, mit einer gründlichen Gegenkritik zu antworten. Den entsprechenden Email-Austausch kann der interessierte Leser unten nachlesen.

Ein Naturalist ist noch längst kein Materialist.

Obwohl: Mario Bunge hatte mich „vorgewarnt“ mit der Information: „der Unterschied zwischen mir und Martin Mahner besteht darin, dass er nicht an die Sozialwissenschaften glaubt – er ist nicht nur Biologe, sondern auch ein Biologist. Deshalb bezeichnet er sich als Naturalisten.“ – Mario Bunge nimmt mit seinem emergentistischen Materialismus insbesondere mit Blick auf Sozialsysteme bekanntlich eine grundlegend andere Haltung ein. Ich habe seine Position in meinen Bänden „Kommunikation“ – Band 1 und 2 ausführlich dargestellt.

Im Rahmen seiner Kritik an „Turn of the Tide“ nimmt Mahner eine autoritäre Position ein, vertritt eine Orthodoxie, der mit Fakten und Argumenten nicht beizukommen ist: In Bezug auf Details meines Buchs behauptet er entweder, ich hätte Bunge nicht richtig wiedergegeben, oder er behauptet für die Fälle, in denen ich es richtig gemacht hätte, läge ich dennoch falsch, weil Bunge bereits Falsches behauptet. Ergo: Mahner hat immer Recht und Heinz W. Droste immer Unrecht. – Ein Musterbeispiel für eine Immunisierungsstrategie (Hase und Igel-Strategie) – als Philosophie-Studenten hätten wir in einem Seminar über Karl Poppers und Hans Alberts Kritischen Rationalismus unsere helle Freude daran gehabt. Meist sind solche Strategien nämlich nicht so leicht zu erkennen.

Doch Martin Mahners Mission ist noch nicht abgeschlossen: Er ist mit dem unten dokumentierten Austausch von Standpunkten nicht zufrieden: So hat er sich erfolgreich darum bemüht, seinen Text zur Rezension umgeschrieben in der Juni-Ausgabe der Naturwissenschaftlichen Rundschau (Auflage: 1.770 verkaufte Exemplare pro Ausgabe). Damit wurden wesentliche für naturwissenschaftliche Fachzeitschriften geltende redaktionelle Regeln verletzt – „Turn of the Tide“ passt inhaltlich überhaupt nicht in das redaktionelle Konzept („Dokumentation aktueller Forschungsergebnisse“). Zudem sollte sich eine wissenschaftliche Fachpublikation nicht als Plattform eines persönlichen Zwistes instrumentalisiert lassen, bei dem eine einseitige Position als objektiver Textbeitrag getarnt wird.

„Schade“

Übrigens hatte ich Mario Bunge den Briefwechsel mit Manfred Mahner umgehend weitergeleitet. Sein abschließender Kommentar: „Schade!“

In der Tat, schade, dass die Initiative, etwas für die Verbreitung einer modernen aufgeklärten Philosophie zu tun, durch persönliche „intellektuelle Besitzstandswahrung“ behindert wird:

Martin Mahner hat sein eigenes Konzept einer „wahren“ bungeschen Philosophie entwickelt. Er verteidigt dieses Konzept wie einen intellektuellen Sandkasten, in dem nur er mit seinen Schüppchen und Förmchen spielen darf – schon gar nicht Heinz W. Droste und kurioserweise selbst Mario Bunge nicht.

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Meinungs-Konfrontation: Die Emails

 

6. 2. 2016 – Heinz W. Droste an Martin Mahner

 

Guten Tag Herr Mahner,

vielen Dank für die große Aufmerksamkeit, die Sie meinem Buch widmen.

Mit dem »lockeren Plauderton« haben Sie meine Autorenarbeit tüchtig enttarnt. Gewiss – das Schreiben über komplizierte – beispielsweise technologische – Zusammenhänge in einfacher Sprache ist ein Hauptfeld meiner gewerblichen Arbeit. Und im Fall der Einführung in Mario Bunges Werk, habe ich die gleichen Arbeitswerkzeuge genutzt wie bei dieser Betätigung.

Das war auch notwendig – schließlich ist das Ziel dieses Buchprojekts, das Werk eines der großen Intellektuellen unserer Zeit für weite Lesergruppen nachvollziehbar zu machen.

Anders als bei meinen drei vorgehenden Bücher, in denen ich einem sozialwissenschaftlich gebildeten Fachpublikum Einblicke in Bunges Philosophie eröffnete, hatte ich wegen des vorgegebenen »Miniformats« eine äußerst strenge Umfangsvorgabe. In »Kommunikation« hatte ich beinahe 600 Seiten zur Diskussion von Bunges Werk – das wird Sie besonders interessieren: allein 180 für soziale Mechanismen – zur Verfügung. Auf den 303 Seiten der »PR Formel« hatte ich reichlich Raum für die Diskussion von Bunges »Intuition and Science«. In »Turn of the Tide« dagegen musste ich Bunges komplettes philosophisches System auf 97 Seiten (S. 45 -142) in einem kleinen Satzspiegel unterbringen – der Raum entspricht ungefähr 50 Seiten in einem üblichen Fachbuch.

Das war eine Herausforderung, der ich mich bewusst gestellt habe. – Bunges Hauptwerk umfasst in 9 Bänden 2.792 Seiten. Dabei nimmt übrigens die Ethik einen kompletten eigenen Band mit 427 Seiten ein (15%). Berücksichtigen wir, dass im Spätwerk zur Wissenschaftsphilosophie der Sozialwissenschaften 1.691 Seiten (im Kern vier Bände zzgl. Aufsätze anlässlich des Symposiums zu Systems and Mechanismus), in denen Ethik und Praxeologie einen breiten Raum einnehmen, zeigt sich, dass Ihre Einschätzung der Bedeutung dieses Themas in Bunges Werk mit den Tatsachen nicht recht in Übereinstimmung zu bringen ist.

Nun – um ein viele tausend Seiten umfassendes Werk auf 50 Seiten herunterzubrechen, bedurfte es eines straffen Konzepts (nicht verschweigen möchte ich, dass ich im Rahmen meiner Texterstellung einiges in seinen weitere viele hundert Seiten umfassenden Büchern aus den 60er Jahren nachgelesen habe): Das entnahm ich aus Bunges »Chasing Reality« Seite 281 – Tabelle 10.2. »Konzept des Realismus«. – Ich wundere mich, dass Ihnen das als Bunge-Experte nicht aufgefallen ist; schließlich habe ich die Quelle der Kapitel-Struktur in den Anmerkungen erwähnt. Übrigens war die Tabelle 10.2 auch Gliederungs-Vorgabe für das Interview mit Herrn Bunge.

Mit Hilfe dieses straffen Konzeptes habe ich wesentliche Züge der bungeschen Philosophie zusammengefasst und dabei parallel weitere »Diskussionskampfplätze« bedient: Diskurstheorie von Habermas, »Quanten-Esoterik«, Freiheits-Problematik, Systemtheorie, subjektive Wahrscheinlichkeit, Verbindung von Religiosität und Moralität usw.

Soweit haben Sie das richtig erfasst – hier wurde mit einem schriftstellerischen »Dreh« gearbeitet.

Auch ist es richtig, dass es sich bei den »Realitätstheorien« Einsteins um einen Tippfehler handelt.

Aber, dass die Exaktheit von Bunges Philosophie ausschließlich anhand mathematischer Formeln abzulesen sein soll, ist Ihre ureigenste Interpretation (in philosophischen Seminaren ist mir solch eine Deutung niemals begegnet). Übrigens: Ich habe die Leser durchaus mit »exakten« mathematischen Formeln drangsaliert (erfüllt das Buch dadurch zumindest an diesen Stellen Ihr Exakt-heits-Kriterium?). Und der Setzer im Verlag hat dabei prompt auf Seite 32 einen »Kürzungs-Fehler« eingebaut, den Sie – was mich wiederum wundert, da Sie die Realitätstheorien so sicher detektierten – offenbar übersehen haben, sonst hätten Sie diesen gewiss angesprochen.

Ihre Anmerkungen zur thematischen Gliederung kann ich übrigens nicht nachvollziehen: Die Zusammenfassung seines philosophischen Systems in »Turn of the Tide« folgt ausdrücklich Bunges Motto: »Die großen Probleme hängen zusammen!«. Natürlich benötigen wir gemäß diesen Konzepts Lösungen aus Feld 1, um zu einer Lösung in Feld 2 zu kommen, in Feld 3 Lösungen aus den Feldern 1 und 2 usw. – ansonsten wäre es ja kein philosophisches System, sondern bloß die philosophische Systematik, die wir in den Philosophie-Lehrplänen deutscher Universitäten und in Lehrplänen der Kultusminister der Bundesländer für den Philosophie-Unterricht in Schulen finden.

Auch Ihre weitere Kritik ist kaum nachvollziehbar. Teilweise stellt es sich so dar, als widersprechen Sie sich im Eifer des Gefechts selber – etwa bei Ihrem Satz »Wenn wir eine solche Übereinstimmung festgestellt haben, dann besitzen wir Wissen.« . – Wer baut hier in sein Wissenskonzept als Voraussetzung Wahrheit ein – Mario Bunge oder Sie selbst? Ihr Satz ist nicht mit der Wissensdefinition auf Seite 61 der Biologie-Philosophie in Übereinstimmung zu bringen, die Sie gemeinsam mit Bunge herausgebracht haben – hier steht nichts davon, dass die Feststellung einer Übereinstimmung die notwendige Voraussetzung von Wissensbesitz ist.

Noch weiter in die Details zu gehen, etwa in Ihre Anmerkungen zu sozialen Mechanismen, Axiologie und Utilitarismus – allesamt Themen, die große Bedeutung bei der Entwicklung soziologischer Handlungstheorien und Theorien sozialer Systeme haben – spare ich uns. Wie Sie mir gegenüber im letzten Jahr bekannten, interessiert Sie dieses Feld nicht. Zudem haben Sie sich anlässlich unseres Gesprächs zerknirscht als jemand dargestellt, der zwischen den Stühlen sitzt. Von der Ausbildung her Zoologe, allerdings ohne Forschungsbereich in der empirischen Zoologie da Studienschwerpunkt Wissenschaftstheorie – sozusagen Zoologe ohne Zoo. Und weiter: Kein Philosophie-Studium, keine grundlegende Qualifikation in Philosophie-Geschichte und in philosophischer Systematik – kein Studienschwerpunkt in einem Werk eines oder mehrerer philosophischer Klassiker – sozusagen Philosoph auf schmaler zoologisch-wissenschaftstheoretischer Spur. – Ihre Zerknirschung verstehe ich – aber ich kann Sie trösten: Sie haben Jahre Ihres Lebens für andere Dinge investieren können, während wir Philosophie-Studenten im Magister- und Promotions-Studiengang allein für das Studium von Klassikern wie Kant, Whitehead, Brentano, Popper, Albert, Parsons, Weber, Durkheim, Alfred Adler und für das Einarbeiten in die verschiedensten Felder der philosophischen Systematik jahrelang auf Urlaub, auf den Genuss von Freizeitbeschäftigungen an den Abenden und Wochenenden verzichten mussten.

Angesichts Ihrer selbstformulierten Positionierung als zoologischer Wissenschaftstheoretiker bewundere ich die Sicherheit, in der Sie Kritik außerhalb Ihrer Domäne ansetzen und zu definieren wagen, was »jeder Philosoph (meinen Sie Philosophie-Professoren oder richtige Philosophen? – und wirklich »jeder« – alle Philosophen? )« tut und was gut für die Sozialwissenschaften (welche Sozialwissenschaften meinen Sie? – es gibt deren viele) wäre.

Ehrlich gesagt, denke ich, dass Sie dies alles als vorgezogenen Karnevals-Gag gemeint haben. Die Bemerkung in Bezug auf Bunges angebliche Oberflächlichkeit deutet daraufhin – ansonsten müsste diese als ziemliche Unverschämtheit und die Gratulation am Beginn Ihres Schreibens sowie der vorgegebene Wunsch, Bunge bekannter machen zu wollen, als flache Heuchelei erscheinen.

– Doch nun: Genug geplaudert!
Heinz W. Droste

 

2. 2. 2016 – Martin Mahner an Heinz W. Droste

 

Lieber Herr Droste,

ich hatte nun Gelegenheit, in das Buch zu schauen. Zunächst gratuliere ich Ihnen, dass es Ihnen gelungen ist, die Einführung in einem so lockeren Plauderton zu schreiben, dass der potentielle Leserkreis entsprechend weit ist. Vielleicht lesen es doch einige Leute, die sonst keine solchen Bücher lesen würden, weil sie zu kompliziert sind.

Dennoch habe ich einige Kritikpunkte, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Vielleicht lässt sich einiges davon in einer zweiten Auflage berücksichtigen.

1) Im Untertitel schreiben Sie: Einführung in Mario Bunges exakte Philosophie. Falls ich es nicht übersehen habe, wird aber nirgends erläutert, warum Bunges Philosophie exakt sein soll bzw. was eine exakte Philosophie eigentlich ist. Hinzu kommt, dass Bunge seine exakte Philosophie (also die formalisierte Version) ja in späteren Jahren deutlich zurückgeschraubt hat, weil er gemerkt hat, dass das nur wenige Spezialisten verstehen.

2) S. 52: Statt Realitätstheorien müsste es Relativitätstheorien heißen.

3) Im Kapitel Epistemologie stehen zwei Abschnitte, die m.E. zur Ontologie gehören, weil dort Begriffe wie System, Emergenz, Materialität usw. erläutert werden. Auch die Systemebenen und das Bewusstseinsmodell gehören m.E. zur Ontologie, auch wenn letzteres sicher zur Epistemologie überleitet.

4) M.E. packen Sie zu viel Methodologie in die Semantik. Semantik dreht sich doch bloß um das Verhältnis von Begriffen und Welt. Die Prüfung von Wahrheitswerten gehört bereits in die Methodologie. Entsprechend sollte die Überschrift auf S. 90 auch heißen: „Wissen – Ergebnis eines sozialen Prozesses“. Wenn da „Wahrheit“ steht, dann widerspricht das der vorher vorgestellten korrespondenztheoretischen Definition. Danach stimmt eine Tatsachenaussage mit einem realen Faktum überein oder nicht. Diese Übereinstimmung kann niemals Ergebnis eines sozialen Prozesses sein, sondern ist genauso objektiv wie ein Faktum. Allenfalls die Feststellung einer solchen Übereinstimmung kann Ergebnis eines sozialen Prozesses sein. Wenn wir eine solche Übereinstimmung festgestellt haben, dann besitzen wir Wissen.

Das Durcheinander liegt aber nicht bei Ihnen, sondern bei Bunge selbst, der oft „Wahrheit“ mit „Wissen von Wahrheit“ vermengt hat. Ich habe mich mit ihm lange darüber gestritten. Seine Wahrheitsdefinition ist in der Tat semantisch realistisch, aber seine Behauptung, eine Aussage habe keinen Wahrheitswert, wenn wir diesen nicht kennen, ist semantisch antirealistisch. Beides geht nicht zusammen. Freilich sind Sie nicht angetreten, Widersprüche in seiner Philosophie aufzudecken, aber eine Anmerkung zu Problemen wäre für den philosophischen Leser hilfreich. Alternative: Semantik beschränken auf die Begriffe und alles, was mit Wissensgewinnung zu tun hat, konsequent in die Methodologie packen.

5) Unter „Methodologie“ behandeln Sie im Wesentlichen Szientismus vs. Hermeneutik. Ich hätte mir hier noch etwas über das wissenschaftliche Erklären gewünscht, und zwar über die mechanismische Erklärung. Bunge hat diese ja bereits 1967 formuliert, wenn auch unter dem unglücklichen Namen „interpretive explanation“. Später wurde dann das Erklären über Mechanismen neu erfunden und ist momentan „all the rage“, um es auf Englisch zu sagen. Dass Bunge dieses Konzept erfunden hat, weiß leider keiner. Er wird leider wie so oft von keinem zitiert. Gerade weil Bunge die mechanismische Erklärung auch in den Sozialwissenschaften wichtig war, wäre es ´nützlich gewesen, Bunges ignorierten Beitrag zur mechanismischen Erklärung zu bringen.

6) Dass Sie Bunges Ethik so viel Platz einräumen verwundert mich etwas, zumal sie in seinem Oeuvre eher einen kleinen Raum einnimmt. Ich hätte gerade von Ihnen als Sozialwissenschaftler erwartet, dass im Gegenzug Bunges Beitrag zu den Sozialwissenschaften etwas mehr erläutert wird. Aber das ist wohl eine Geschmacksfrage.

7) Bunges Vereinnahmung des Realismus-Etiketts ist teilweise arg idiosynkratisch. Etwa beim axiologischen Realismus. Axiologische Realisten sind Leute, die sagen, Werte existierten an sich, als „Werte-Dinge“, wie Sie so schön schreiben. Bunge ist aber genau kein solcher Realist, sondern meint mit „axiologischem Realismus“ etwas ganz anderes. Der Normalmensch merkt das sicher nicht, aber für den philosophischen Leser wäre hier die eine oder andere Anmerkung hilfreich, denn sowohl hier wie bei der Semantik, könnte der Mainstreamphilosoph denken, Bunge habe keine Ahnung, wovon er redet.

8) Was auf S. 114-115 über Utilitarismus steht, ist wieder so ein Beispiel, bei dem jeder Philosoph sofort sagen wird, dass Bunge keine Ahnung hat, wovon er redet. Sie referieren hier nur eine (eher seltene) egoistische Variante, während die auch von Bunge in seiner Ethik (S. 236ff.) erläuterte altruistische gar nicht genannt wird. Die ist aber die heute am verbreitetste. Man kann sie sogar als Standarddefinition bezeichnen. Kurzum: ich fürchte, dieser Abschnitt wird eher an seiner Reputation kratzen.

Sie sehen mir diese kritische Liste sicher nach, denn wir wollen Bunge ja beide besser bekannt machen. Auch wenn Sie die Kapitel alle an ihn geschickt hatten, wird er sich die, so wie ich ihn kenne, nur sehr oberflächlich angesehen haben. Ich bin da wohl strenger als er.

Mit freundlichen Grüßen

Martin Mahner

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