Die Kraft des Zufalls

Die tychistische Vorstellung besagt, dass Kommunikationswirkungen weitgehend
von Strategie und Krafteinsatz unabhängig wirken.
Wirkprinzip ist stattdessen Zufallskombinatorik bzw. Aleatorik.

Änderungen, Entwicklungen, große Würfe und Treffer basieren auf Zufällen,
die gezielt »herauszufordern« sind. Kausalität, Zweckhaftigkeit und Vernunft
sind hier zu vernachlässigende Konzepte.

Erfolg versprechend ist es, einfach in großer Zahl verschiedene – am besten
innovative, d.h., bisher noch nicht systematisch auf Wirkung geprüfte Maßnahmen
einfach auszuprobieren, im Feld einzusetzen in der Hoffnung, mit
Hilfe der Maßnahme eine große Anzahl von Personen »anzutippen«.
Dabei können angeblich gerade »kleine«, aber besonders kreative Dinge besonders
»Großes« bewirken.

Tychistische Kommunikatoren kalkulieren auf Gerüchte, die sich wie Lauffeuer
verbreiten sollen. Sie handhaben Kommunikationsmaßnahmen wie
Schrotflinten und schießen am liebsten in »Wespennester«.
Sie zitieren mit dem »Schmetterlingseffekt« gerne das oft falsch interpretierte Ergebnis
einer theoretischen Wettersimulation, die per Computerprogramm vorrechnete,
wie das Schlagen eines Schmetterlingsflügels in Tausenden von Kilometern
Entfernung angeblich ein Unwetter verursachen kann.

Aus:
Heinz W. Droste: Kommunikation – Planung und Gestaltung öffentlicher Meinung;
Band 1: Grundlagen – Kapitel 5, S. 121-22
Ontologie der Kommunikationstechnik 1:
Bestimmung von Struktur und Substanz menschlicher Kommunikation

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