„Who Commits Virtual Identity Suicide?“ –

Explorative psychologische Studie an der Universität Wien

Stefan Stieger und Kollegen haben im Fachmagazin „Cyberpsychology, Behavior, And Social Networking“ unter dem Titel „Who Commits Virtual Identity Suicide?“ (Volume 16, Number 9, 2013) die Ergebnisse einer explorativen Studie veröffentlicht.

Die Forscher haben versucht, ein wenig Licht auf das Phänomen des „virtual identity suicide“ bzw. des „Web 2.0 suicide“ zu werfen. – Es gibt mittlerweile eine Bewegung des organisierten Facebook-Austretens: Assistiert von „Selbstmordmaschinen wie www.suicidemaschine.org und www.seppukoo.com können sich Social Media-Nutzer von ihren Accounts trennen. Facebook-Nutzer, die ein Leben ohne „Likes“ wünschen, wird auf www.quidfacebookday.com geholfen.

Viel herausgekommen ist bei dieser Studie nicht – die Ergebnisse sind nicht signifikant. Die verwendeten Stichproben sind dazu deutlich zu klein – 310 Facebook-Quitters und 312 eingefleischte Facebook-Nutzer – Anzahl weltweiter Nutzer von Facebook: 500.000.000 User.

Obwohl es sich bei diesem kleinen Stichproben-Umfang also lediglich um eine Mini-Exploration handelt, wurde vom Start weg mit sieben festen Merkmalen gearbeitet. Statt zunächst etwa per Tiefeninterviews oder mit anderen Methoden das Facebook-Feld zu sondieren, um sich die möglicherweise relevanten Mechanismen für die folgende Studie empirisch zu ermitteln. Auch eine theoretische Vorarbeit wurde nicht geleistet, um die Exploration in den Kontext bereits ermittelten empirischen Wissens über die psychischen Prozesse im Rahmen sozialer Interaktionen zu stellen.

Es wurde methodologisch gesehen eine individualistische psychologische Perspektive zugrundegelegt. Nicht berücksichtigt wurde damit, welche Beziehungsfaktoren möglicherweise eine Rolle spielen, wenn Individuen ihre Facebook-Zugehörigkeit kündigen. – Reaktionen in Sozialen Netzwerken zu untersuchen, ohne soziale Faktoren zu berücksichtigen, kann zu keinen tiefschürfenden Ergebnissen führen.

Was – trotz all dieser Einschränkungen – herauskam?

Facebook-Quitters scheinen größeren Wert auf Privatheit zu legen und „gewissenhafter“ zu sein als „treue“ Facebook-Fans. Außerdem scheinen die Facebook-Flüchtlinge kritisch an sich selbst Tendenzen von „Internet-Sucht“ zu beobachten, der sie durch den Facebook-Selbstmord zu entgehen versuchen („kill yourself to live“). Anders gesagt: Sie empfinden die Zeitinvestition bei Facebook als zu hoch und werten sie als lästige Zeitverschwendung. Die Mehrzahl der Quitters war männlich …

 Damit sind die wesentlichen Ergebnisse der Exploration bereits zusammengefasst.

Wer selbst einen Blick darauf werfen möchte, kann die Studie hier downloaden:

http://online.liebertpub.com/doi/abs/10.1089/cyber.2012.0323

 

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